Mesolithische Fundstelle auf dem Höning

Bereits vor Jahren von Karl Engelmann, dem leider verstorbenen, damaligen Vorsitzenden des Historischen Kreises Dorfen entdeckt, wurde die ca. 3 km östlich von Dorfen gelegene Fundstelle bei Eppenhöning, vom Kreisarchäologen des Landkreises Landshut, Dr. Thomas Richter, im Rahmen seiner Dissertation bearbeitet.

Höhenrücken „Höning“ von Westen mit Eppenhöning

Als Mesolithikum oder Mittelsteinzeit bezeichnet man die letzte Epoche der Jäger und Sammler zwischen dem Ende der letzten Eiszeit um 10000 v. Chr. und dem Beginn der sesshaften Lebensweise in Mitteleuropa um 5500 v. Chr. Die archäologischen Hinterlassenschaften dieser Zeit in Süddeutschland sind sehr kleine Steingeräte, die sogenannten Mikrolithen. Sie hatten meist eine geometrische Grundform und dienten als Einsatz für Pfeile.
Auf dem „Höning“ genannten Höhenrücken zwischen Isen und Goldach las der der Sammler Karl Engelmann etwa 20 Steinartefakte auf, die anhand ihrer Form, vor allem aber aufgrund einer charakteristischen Pfeilspitze – einer endretuschierten Mikrospitze – in die frühe Mittelsteinzeit zwischen 10000 und 7000 v. Chr. datiert werden können.
Die Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit ernährten sich von Wild, das sie im Umkreis ihres Lagerplatzes erlegen konnten. Daneben standen aufgesammelte Früchte, Beeren und Nüsse auf dem Speiseplan. Um immer wieder ungestörte Jagdgebiete zu erschließen, fand mehrmals im Jahr eine Verlegung der Lagerplätze statt. Bei der Wahl des Lagerplatzes spielten die Nähe zu den Nahrungsquellen, gute Jagdmöglichkeiten, aber auch das Vorhandensein von Wasser in Form von Quellen, Bächen oder Flüssen eine wichtige Rolle.
Die Lage der Fundstelle auf dem Höning ist daher typisch für einen Lagerplatz der mittleren Steinzeit. Rund 40 Meter oberhalb der Isen bot der Höhenrücken optimale Jagdmöglichkeiten in den niedriger gelegenen, sumpfigen und licht bewachsenen Tälern der Flüsse. Noch heute entspringen am Höning mehrere Quellen.
Anhand der gefundenen Artefakte ist es möglich die Aktivitäten im Lagerplatz zu rekonstruieren. Ein Mikrolith diente als Pfeilkopf. Für die Bearbeitung von Fell, Leder und Holz benutzte man Kratzer und Schaber. Eine Klinge mit Gebrauchsretuschen fand Verwendung als Messer. Das bisher auf dem Höning gefundene Material erweckt den Eindruck, dass es sich um einen kurzzeitig belegten Lagerplatz gehandelt haben muss. Zudem zeigen die gesammelten Steinartefakte, dass eine Produktion neuer Geräte vor Ort nur in in sehr geringem Umfang stattgefunden hat. Vermutlich hielt sich die Gruppe nur wenige Tage an dieser Stelle auf, um zu jagen. Feuerstein war damals das wichtigste Material zur Produktion von Werkzeugen und Geräten.
Trotz dieser Bedeutung gab es in der Alt- und Mittelsteinzeit keinen Handel mit Feuerstein. Der mittelsteinzeitliche Mensch wusste innerhalb des von ihm jährlich durchzogenen Territoriums sehr gut, wo er Gesteinsrohmaterialien finden konnte, aus denen sich Werkzeuge herstellen ließen. Er füllte im Rahmen seiner sonstigen Aktivitäten, wie Jagd und Sammeln, immer wieder seinen Vorrat an Feuerstein auf. Die Artefakte am Höning wurden mehrheitlich aus Gesteinen hergestellt, die sich in den Schottern der angrenzenden Flüsse fanden. Nur bei wenigen Stücken kommt das Rohmaterial aus weiterer Entfernung.
Eine stark patinierte Klinge ist aus dem typisch gebänderten Hornstein des Kehlheimer Raumes hergestellt. Dieses Stück ist ein Beleg dafür, dass die Menschengruppe, die in der frühen Mittelsteinzeit ihr Lager auf dem Höning aufschlug, ihren Lagerplatz im Kehlheimer Raum hatte, bevor sie in das Isental kamen.

(1) Mikrolith
(2) Kratzer
(3) Klinge aus gebändertem Hornstein des Kehlheimer Raumes (patiniert)
(4) Klingen

Text und Abbildung: Dr. Thomas Richter

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