Zum Neubau der Wehranlage in Dorfen

ein Bericht von Franz Streibl

Gegenwärtig sind die Bauarbeiten am sog. Unteren Wehr in Dorfen bei der Brücke der B 15 über die Isen in vollem Gange. Da ist es von Interesse zurück zu blicken auf die Entstehung der Wehranlage, die gerade abgerissen wird.
Ein Bericht in der Dorfener Zeitung aus dem Jahre 1937 gibt uns Auskunft darüber, denn damals kamen die Arbeiten an der Hochwasserfreilegung Dorfens zum Abschluss. Die Wehrbauten, die jetzt abgerissen wurden sind als 70 Jahre alt.
In der damaligen Zeitung lesen wir:
„Zunächst wurde der Flutkanal von Wehr der Niedermühle abwärts bis zur Bahnbrücke für die Hochwasserableitung ausgebaut. Sodann folgte der Wehrbau. Da innerhalb Dorfens selbst Katastrophenhochwässer mit 100 cbm/s Wasserführung abfließen müssen, war an der Stelle des hölzernen wenig leistungsfähigen Wehres der Niedermühle ein solches mit 90 cbm/s Abführungsvermögen zu erbauen, wobei 10 cbm/s in der Urspruns-Isen abfließen. Nächstwichtig war die geschlossene Zuführung des Hochwassers zum Markt. Durch Ausbau von zwei Durchstichen in Verbindung mit entsprechenden Dammanlagen fließt nunmehr das Hochwasser in einer geraden Kanalstrecke in das zwischen Gebäuden eingepferchte Flussbett. Hier war es notwendig, baufällige, am Ufer stehende Gebäulichkeiten zu beseitigen, um den nötigen Durchflussquerschnitt zu erzielen. Diese ‚Entrümpelung’ hat wesentlich zur Verschönerung des Ortsbildes beigetragen, zumal hiefür gefällige Neubauten und Anpflanzungen entstanden sind. Zum Schutz der auf Pfählen gegründeten, meist stark unterspülten Gebäude war es notwendig, eiserne Spundwände vorzuschlagen; bei ausreichendem Raum wurden Faschinenbauweisen verwendet und Dämme angelegt. Nicht zuletzt konnte in Verbindung mit der Regulierung die Reichsstraßenverlegung in Dorfen einer glücklichen Lösung zugeführt werden und zunächst an Stelle der alten baufälligen Holzbrücke oberhalb des Wehres eine massive Betonbrücke mit 9 Meter Breite errichtet werden.
In der fast zweijährigen Bauzeit sind an Baustellen 36 000 Tagwerke geleistet worden. Damit wurden 43 000 cbm Erdaushub und 31 500 qm Rasenbelag bewerkstelligt, 463 cbm Beton eingebaut, sowie 4000 Meter Faschinensicherung und 103 Meter Eisen-Spundwandufersicherungen ausgeführt. Dank des einmütigen Zusammenwirkens aller beteiligten Stellen sowie des vollen Einsatzes der Arbeitskraft durch jeden einzelnen Arbeiter konnten die Arbeiten reibungslos und voranschlagsgemäß abgewickelt werden und ein Werk geschaffen werden, das – für Dorfen lebensnotwendig – auf Generationen hinaus die sichere Grundlage für die weitere Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens des Marktes ist.“
Es bleibt noch anzumerken, dass man damals stolz darauf war, möglichst viel landwirtschaftlich genutzte Fläche trocken gelegt zu haben um sie für die „Sicherstellung der Volksernährung“ zu nutzen. In Gegensatz dazu werden heute große Flächen wieder als Retentionsflächen der Bewirtschaftung weitgehend entzogen.

Comments are closed.