Elektrisches Licht bei der Christmette in Dorfen vor 100 Jahren

Ein Bericht von Franz Streibl

Wenn zur Christmette 2004 die Wallfahrtskirche in Dorfen im hellen Licht der vielen Lampen erstrahlt, dann wissen nur wenige der Kirchenbesucher, dass es erst 100 Jahre her ist, seit die Kirchen in Dorfen elektrisch beleuchtet wurden.

Tatsächlich stiftete Frau Rosina Bachmayer 1904 für die Dorfener Marktkirche, für die Wallfahrtskirche Maria Dorfen und den Weg zur Kirche über die Stepfen hinauf die elektrische Beleuchtung. Sie hatte sich oft geärgert über die finsteren Kirchen und den dunklen Kirchenweg besonders bei den adventlichen Engelämtern. In der Chronik des Elektrizitätswerkes ist zu lesen: „Unsere Wallfahrtskirche Maria Dorfen erstrahlte mit vier Differenzial-Bogenlampen a 600 Kerzen, der Hochaltar mit100 Kohlefadenlampen“ Rosina Bachmayer war die zweite Frau von Martin Bachmayer. Martin Bachmayer, 1810 als Mesnersohn von Amelgering geboren, heiratete Maria-Magdalena Ammer und kam durch diese Heirat in den Besitz des Trommerbräu-Anwesens in Dorfen. Martin Bachmayer sollte daraus die Brauerei und den Gutsbetrieb Bachmayer entwickeln. Gleich nach der Geburt des ersten Sohnes, Josef Bachmayer, starb Maria-Magdalena Bachmayer. Der Sohn aus dieser Ehe, Josef Bachmayer, wurde der bekannte Ökonomierat Josef Bachmayer, das Vorbild für den „Herrn Ökonomierat“ aus der Fernsehserie „Das königlich bayrischen Amtsgericht“ von Georg Lohmeier. 1851 heiratete Martin Bachmayer in zweiter Ehe die Bierbrauertochter Rosina Storch aus Isen. Diese schenkte ihm eine Tochter und einen Sohn, die aber beide schon als Kinder starben. Rosina Bachmayer war ihrem Mann Martin Jahrzehnte hin eine gute Wirtschafterin und unterstützte ihn beim Aufbau des umfangreichen Unternehmens „Brauerei Bachmayer“. Sie ist schon bald nach ihrer hochherzigen Stiftung für die Dorfener Kirchen, nämlich im August 1905, verstorben.

Möglich wurde die elektrische Beleuchtung der Kirchen durch die Gründung des „Elektricitätswerk Dorfen“ im Jahre 1904. Fünfzehn Männer und eine Frau legten damals Geld an in die Gründung des Werkes. Vom 14. September 1904 datiert der Gesellschaftsvertrag und bereits am 3. Oktober 1904 wurde der Grundstein gelegt. Baumeister Haydn baute das Gebäude und die Firma AEG erstellte die elektrischen Anlagen. Es war eine technische Meisterleistung, dass schon zum Weihnachtsfest 1904 Strom für die Beleuchtung der beiden Kirchen geliefert werden konnte. Auch die Straßen des Marktes wurden damals erstmals elektrisch beleuchtet. Wie sich dann das „Elektricitätswerk Dorfen“ zu den „Stadtwerken Dorfen“ entwickelte, oder wer die mutigen Gründer des Elektrizitätswerkes waren, das kann der Interessierte in einer Festschrift nachlesen, die zum 100. Jubiläum der Stromversorgung in Dorfen von den Stadtwerken Dorfen erstellt wurde. Die Schrift liegt bei den Stadtwerken Dorfen in der Haager Straße und im Heimatmuseum Dorfen an der Rosenaustraße auf.

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