Das Fest des Martyrers St. Sebastian

Ein neuer Bericht von Franz Streibl, Dorfen, 24.01.2005

In diesen Tagen feiert die katholische Kirche das Fest des Martyrers St. Sebastian. Mit seinem Festtag verbindet sich die bayrische Wetterregel: „Sabastio macht a Lackerl in` d Boh (Eisstockbahn). Hod a kaone, macht a aone”. Das bedeutet, dass an St. Sebastian Tauwetter kommt. War es bis dahin aber warm, so kommt jetzt der Winter. Unsere Wintersportler haben also noch Hoffung auf Eisstockbahnen oder Loipen. Auch in Dorfen wurde St. Sebastian schon im Mittelalter hoch verehrt als Patron der Schützengesellschaften, denn er wurde mit Pfeilschüssen gemartert. Mitglieder der Sebastianibruderschaft waren es auch wohl, die um 1422 versuchten, Dorfen zu verteidigen, als es in dem Konflikt zwischen Herzog Ludwig dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt und seinen Vettern in Oberbayern und Niederbayern von Truppen aus Haag und Wasserburg angegriffen und niedergebrannt wurde. Auch als Helfer gegen die Pest gilt St. Sebastian, denn diese Krankheit traf die Menschen oft so plötzlich, wie ein tödlicher Pfeil.

Aus dem Jahre 1948 gibt es einen Bericht aus dem Mühldorfer Anzeiger über die Kirche in St. Sebastian am Ortsrand von Dorfen. Der Bericht enthält Nachrichten über einen Brauch, der bisher unbekannt war.

Unser Pestkirchlein

„Vom Marienplatz sieht man durch den Bogen des Isentores zwischen Bäumen die Sebastian-Kirche, das Pestkirchel. Wie bei Erdarbeiten festgestellt wurde, hat man dort dereinst die Opfer der Pest beigesetzt, vermutlich im Jahre 1627, als zum ersten Mal die Seuche in Dorfen auftrat. Entstanden dürfte die Kirche zur Zeit des 30jährigen Krieges sein. Das äußerlich schlichte Kirchlein enthält einige sehr wertvolle Kunstschätze, zwei kunstvolle Statuen des hl. Sebastian, die noch der Renovierung hinter dem Altar harren, und ein Standbild des hl. Rochus, der leider nicht sachgemäß staffiert wurde. Noch Ende des vorigen, Anfang dieses Jahrhunderts war es Sitte, dass die frisch verheirateten Ehepaare am Tage nach der Trauung unter Vorantritt einer Musikkapelle mit ihren nächsten Angehörigen in das Kirchlein zogen, um Glück für ihre junge Ehe zu erbitten. Vor etwa zwei Jahren wurde die Kirche für den evangelischen Gottesdienst zur Verfügung gestellt“.

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